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Schachspiel der Götter Ridgway 4

Spielend ergötzen wir uns am Bilde des Kriegs und an Schlachten 
Ähnlich den wahren, an Treffen aus Bux und erdichteten Reichen, 
Wie zwei Könige hier, als Geqner des weißen ein schwarzer, 
Fechten um rühmlichem Sieg mit zweifach gefärbten Scharen.
So beginnt ein Gedicht von Marcantonio Vida, welches um 1510 entstand. Es beschreibt eine Schachpartie zwischen Apollo (Phöbus) und Markur in lateinischen Versen mit deutscher Übersetzung.
Die heutigen Schachregeln,die im 16. Jahrhundert in Italien formuliert wurden und von dort in Europa Verbreitung fanden, sind in den Versen beschrieben. Deutlich erinnert das Gedicht an die früher in stärkerem Maße verbreiteten Ansicht, das Schachspiel als Kriegsersatz zu sehen. Hier prallen feindliche Völker und Heere aufeinander. Kriegslisten werden angewandt, der Gegner durch psychologische Tricks gestört. Auch sind Götter vor Falschspiel nicht gefeit. Hätte nicht auch heute so mancher eine bereits geschlagene Figur wieder auf dem Brett gestellt, oder einen falschen Zug zurückgenommen?
Den Versen geht eine ausführliche Erklärunq des Gedichtes und der Zusammenhänge voraus. Vorkenntnisse griechischer oder römischer Sagen sind also nicht notwendig. Das Büchlein ist für jedermann geeignet, der Gedichte mag, schachbegeistert ist oder einfach Latein lesen möchte. Bestens empfohlen als Geschenk für Leute, die schon Bücher über Schachtheorie besitzen.
Für mich ein interessantes, nettes Büchlein. Erschienen ist es im Artemis Verlag RG, Zürich.

MB

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