Weil vor Da Da Da Dada da war

Ein Café. Ein Schachbrett. Drei Männer. Paris, irgendwann zwischen zwei Epochen. Auf dem Brett steht LHOOQ mit Schnurrbart auf der Dame.

Man Ray (zündet sich eine Zigarette an, setzt einen Springer auf ein schwarzes Feld, das es nicht gibt) Schach ist Unsinn, der so tut, als wäre er Logik. Deshalb ist es perfekt.Ich liebe es, weil es aussieht wie Vernunft, aber am Ende gewinnt immer jemand, der nicht wusste, warum.
Duchamp (mustert das Brett, ohne zu blinzeln) Nein. Schach ist eine Maschine, die Denken simuliert, ohne Bedeutung zu brauchen. Wie Kunst. Oder besser: Wie Anti-Kunst, die versehentlich ernst genommen wird. (Er verschiebt einen Bauern einen halben Zug vor, hält inne.) Ich habe aufgehört zu malen, weil Schach ehrlicher ist. Es gibt keine Illusion von Ausdruck. Nur Entscheidungen und Konsequenzen.
Queneau (notiert etwas in ein kariertes Heft) Interessant. Aber was wäre, wenn wir Schach nur spielen dürften, wenn jeder Zug einer Regel gehorcht, die nichts mit Schach zu tun hat? Zum Beispiel: Springer dürfen nur auf Felder mit Primzahlkoordinaten. Die Dame darf nur ziehen, wenn der vorherige Zug ein Wort ohne „E“ war. Matt zählt nur, wenn es palindromisch ist.
Man Ray (lacht) Langweilig. Ich würfle lieber, welcher Stein sich bewegt. Oder ich tausche Figuren gegen Objekte. (stellt eine Gabel auf e4) Das ist jetzt ein Läufer.
Duchamp (nickt ernsthaft) Das ist konsequent. Du zerstörst den Referenten. Aber du ersetzt ihn durch Willkür.
Man Ray Natürlich. Willkür ist die einzig ehrliche Antwort auf eine Welt, die vorgibt, sinnvoll zu sein. Queneau Und genau da widerspreche ich. Willkür ist faul. Zwang ist produktiv. (Er zieht einen Bauern exakt einen Schritt, schaut zufrieden.) Unter Zwang denkt man anders. Man entdeckt Möglichkeiten, die ohne Einschränkung unsichtbar bleiben.
Duchamp (lehnt sich zurück) Ihr seid zwei Seiten derselben Münze. Der eine zerstört die Regeln. Der andere stapelt sie übereinander, bis sie absurd werden. Ich...(lächelt minimal)...spiele einfach.
Man Ray Du bist der Schlimmste von uns. Du tust nichts Radikales – und unterminierst trotzdem alles.
Queneau Er ist ein metastabiler Zustand. Wie ein Schachproblem ohne Lösung, das trotzdem korrekt ist.
Duchamp (blickt auf das Brett) Schach ist schön, weil es keine Bedeutung braucht. Dada will Bedeutung töten. Oulipo will sie züchten wie eine seltene Orchidee. Ich will nur sehen, was passiert, wenn man lange genug nachdenkt. (Er setzt matt. Niemand hat den Zug kommen sehen.)
Man Ray (klatscht) Unfair. Das war Sinn.
Queneau (schreibt eifrig) Oder eine Regel, die wir noch nicht formuliert haben. (Alle drei schauen auf die Mona Lisa mit Schnurrbart.)
Duchamp LHOOQ.
Man Ray Heißt das überhaupt etwas?
Queneau Nur, wenn man es ausspricht. (Schwarz gewinnt. Weiß widerspricht. Das Brett bleibt.)

HauKI

Quallotl

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