Der erste Schritt war damit getan. Wenig später kündigten Plakate in Wilhelmsburg die "Gründung eines Schachklubs in Wilhelmsburg am 19. November 1936 bei H. Bertram (Im Busch 48)" an. Vierzehn Schachfreunde erschienen. Nach kurzer Diskussion wurde die Gründung des "Schachklub Wilhelmsburg von 1936", dessen Name 35 Jahre später den Zusatz e.V. erhalten wird, beschlossen. Der Vorstand bestand zunächst aus drei Mitgliedern: 1. Vorsitzender Walter Szameitat, Kassenwart Otto Pflaumenbaum, Schachwart Peter Wetzel. Schach spielen durfte jeder, der dienstags in Bertrams Gaststätte erschien und bereit war, monatlich 0,60 RM zu zahlen.
Doch schon war Hürde Nummer 2 zu nehmen: Die Nazis verlangten vom Landesverband, nur Vereine anzuerkennen, die von "politisch zuverlässigen" - will heißen: willfährigen - Leuten geleitet wurden. Und dieser Kategorie waren Männer wie Walter Szameitat, der als politischer Dissident und Häftling längst aktenkundig war, bestimmt nicht zuzuordnen. Es kam zu kurzen Briefwechseln, bis es schließlich einem Szameitat-Freund gelang, sich die entscheidende Unterschrift gleichsam zu erschleichen. Der Schachklub Wilhelmsburg von 1936 war damit anerkannt.
Sportlich leistete der SV Harburg noch weitere Geburtshilfe. Dem Nachbarn wurden 10 Spiele als Erstausstattung geliehen, für die Verbandswettkämpfe bildeten Wilhelmsburger und Harburger eine Spielgemeinschaft, die sich in der A-Klasse auch recht wacker schlug. Die Klubmeisterschaften hatten bis 1939 nur inoffiziellen Charakter. H. Langhans, L. Michalak und P. Wetzel waren die ersten Sieger.
Spielstärke und Mitgliederzahl wuchsen langsam, aber stetig, bis 1939 der 2. Weltkrieg dem Spielbetrieb ein jähes Ende setzte. Als die Mitglieder im November jenes Jahres beschlossen, den Spielbetrieb ruhen zu lassen, glaubten nur wenige an das Überleben des jungen Vereins. Zunächst trafen sich die Vorstandsmitglieder Walter Szameitat und Paul Wetzel noch regelmäßig, doch dann wurden auch sie zur Wehrmacht einberufen.
Glücklicherweise überlebten fast alle SKWler den Krieg. Aber die erste Zeit im Jahre 45 war von der Sorge um die Existenz bestimmt, wer dachte da schon ans Schach spielen? Trotzdem wurden Szameitat & Co. schon im Herbst aktiv. Die alten Mitglieder wurden benachrichtigt und am 28. Oktober trafen sich 21 Schachfans im alten Vereinslokal Bertram, das unbeschädigt geblieben war. Erste Formalitäten wurden erledigt, der alte Vorstand bis zu den näehsten Neuwahlen bestätigt und der Beitrag auf 1,- RM festgesetzt.

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